Ein Tal, viele Lebensräume
Das Alcantara-Tal ist nicht „eine” Umgebung: Es ist eine Abfolge von Lebensräumen, die sich von der Mündung bis zur Quelle aneinanderreihen, mit über 1.200 Höhenmetern auf 50 km Flusslauf. Jeder Lebensraum hat seine charakteristische Tierwelt, und das erklärt den überraschenden biologischen Reichtum des Tals:
- Küstenstreifen (Capo Schisò, Mündung): gemischte Dünen- und Mündungsumgebungen;
- landwirtschaftliches Tal: bebaute Felder, Olivenhaine, Zitrusplantagen, Haselnusshaine;
- Fluss und Ufer: Ufervegetation, Becken, Schluchten;
- bewaldete Hänge: Macchia, Steineichen-, Eichen- und Kastanienwälder;
- hohe Bergkämme: Weiden, Felswände, nackter Fels der Peloritani;
- Ätna-Hang: Pinienwälder, Lavafelder, Pionierumgebungen.
Dieser geomorphologischen Vielfalt entspricht eine reiche Biodiversität, insbesondere bei der Vogelwelt.
Vögel: 174 Arten und einige Wahrzeichen
Studien im Alcantara-Flusspark haben mindestens 174 Vogelarten erfasst, zwischen Standvögeln, Zugvögeln und Gelegenheitsbesuchern. Für Birdwatcher ist es ein seltenes Erbe.
Tagesgreifvögel
- Steinadler (Aquila chrysaetos): Hochgebirgsgreifvogel, der die Kämme der Peloritani und Nebrodi frequentiert. Sichtungen sind auf den Höhen möglich.
- Habichtsadler (Aquila fasciata): mediterrane Art von großem naturschutzfachlichem Interesse, in Sizilien auf wenige Dutzend Paare reduziert. Frequentiert Felswände und offene Bergkämme. Eine Sichtung ist ein seltenes Ereignis und sollte mit größter Diskretion erfolgen.
- Turmfalke, Mäusebussard, Baumfalke, Wanderfalke: häufigere Präsenzen, oft im Flug entlang der Schluchtwände und an den Hängen sichtbar.
Nachtgreifvögel
- Uhu (Bubo bubo): sehr selten, aber in den abgelegensten Gebieten präsent.
- Steinkauz, Zwergohreule, Schleiereule: häufiger, vor allem in der Nähe der Orte und in ländlichen Gebieten.
Wasser- und Ufervögel
- Eisvogel (Alcedo atthis): typisch für die Ufer des Alcantara, erkennbar am niedrigen, geraden Flug. Frequentiert vor allem die ruhigen Flussabschnitte.
- Wasseramsel (Cinclus cinclus): kleiner Singvogel, der nach Wirbellosen am Grund taucht. Indikator für sauberes Wasser.
- Reiher und Silberreiher: durchziehend oder ansässig, vor allem in den offeneren Uferzonen.
Zugvögel
März-Mai und September-Oktober sehen den Durchzug von Mauerseglern, Schwalben, Mehlschwalben, Garten-Grasmücke, Zilpzalp und vielen weiteren Arten. Die offenen Gebiete und Hänge der Peloritani sind privilegierte Beobachtungspunkte.
Fische und Flussfauna
Mittelmeerforelle
Die wichtigste Fischart des Tals ist die Mittelmeerforelle (Salmo macrostigma), endemisch in Sizilien und einigen Mittelmeergebieten. Sie ist eine Indikatorart für gute Wasserqualität: Ihre Präsenz bezeugt, dass der Fluss angemessene Sauerstoff- und Reinheitsniveaus hält.
Die Population ist aufgrund verschiedener Belastungen (Einführung allochthoner Forellen, Entnahmen, Habitatveränderungen) prekär im Gleichgewicht. Die Fischerei ist vom Park reguliert.
Süßwasserkrabbe
Die Süßwasserkrabbe (Potamon fluviatile) ist ein weiterer biologischer Indikator: Sie lebt in sauberen, gut sauerstoffhaltigen Gewässern. Sie findet sich unter Steinen in den ruhigen Flussabschnitten.
Andere Fische
Döbel, Aale und einige kleinere Arten vervollständigen das fischfaunistische Bild.
Amphibien und Reptilien
Amphibien
- Wasserfrosch (Pelophylax sp.): die häufigste Art in den Becken und Bächen des Parks.
- Erdkröte (Bufo bufo): in Feuchtgebieten und unter Steinen anzutreffen.
- Laubfrosch (Hyla sp.): kleiner baumbewohnender Amphibie, erkennbar am Abendgesang.
- Molch und gelegentlich Savis Brillensalamander: in einigen geschützten Feuchtgebieten.
Reptilien
- Sizilianische Mauereidechse, Westliche Smaragdeidechse, Zornnatter: die häufigsten, sichtbar entlang der sonnigen Wege.
- Aspisviper: möglich in bewaldeten Gebieten und auf felsigen Hängen. Nicht aggressiv, aber bei Sichtung mit Vorsicht zu respektieren.
- Europäische Sumpfschildkröte: in einigen ruhigen Flussabschnitten.
- Mauergecko: häufig auf Mauern der Orte und in der Nähe von Wohnhäusern.
Säugetiere
Säugetiere sind oft weniger sichtbar als Vögel, aber nicht abwesend:
- Fuchs, Stachelschwein, Mauswiesel: weit verbreitete Präsenz.
- Wildkaninchen, Hase: in offenen Gebieten.
- Wildschwein: in den letzten Jahren in einigen bewaldeten Zonen zunehmend.
- Fledermäuse: verschiedene Arten, besonders an die Lavahöhlen des Tals gebunden (Grotta dei Cento Cavalli und andere kleinere).
Insekten und Wirbellose
Für Liebhaber von Detail-Ökosystemen bietet das Tal:
- zahlreiche Schmetterlingsarten, einige in Sizilien endemisch;
- Libellen entlang des Flusses und der Becken;
- Käfer, an alte Eichen gebunden;
- aquatische Wirbellose (Eintagsfliegen, Steinfliegen, Köcherfliegen), die wie die Forelle die Wasserqualität anzeigen.
Beste Beobachtungspunkte
| Art/Gruppe | Wo | Wann |
|---|---|---|
| Tagesgreifvögel | Kämme der Peloritani, Vulkankegel von Mojo | Ganzjährig, morgens |
| Habichtsadler | Abgelegene Gebiete, Felswände | Frühling, aus Distanz |
| Eisvogel | Ruhige Ufer, Le Rive in Graniti | Ganzjährig |
| Zugvögel | Bergkämme und offene Hänge | März-Mai, Sept.-Okt. |
| Amphibien | Becken, feuchte Wege | Frühling, abends |
| Fledermäuse | Lavahöhlen, byzantinische Cube | Sonnenuntergang, Frühling |
Gute Beobachtungspraxis
- Abstand zuerst: Für Greifvögel und sensible Tierwelt Fernglas oder Teleobjektiv verwenden. Nicht den Nestern nähern.
- Keine Drohnen in Schutzgebieten ohne Genehmigung.
- Stille: Die Tierwelt ist für leise Gehende viel sichtbarer.
- Zeiten: Frühe Morgenstunden und später Nachmittag sind die besten Zeiten für die meisten Arten.
- Kein Futter geben: Die Ernährungsgewohnheiten der Wildtiere zu verändern, schadet mehr als es nützt.
- Meldung relevanter Begegnungen: Sichtungen seltener Arten können dem Park und Einrichtungen wie der LIPU mitgeteilt werden.
Zur Vertiefung
- Wanderung Le Rive (Graniti), barrierefreies Birdwatching.
- Wanderung Gurne, Becken und Flussumgebung.
- Wanderung Montagna Grande, Bergkämme für Greifvögel.
- Geologie der Schlucht, der geologische Rahmen, in dem sich die Tierwelt bewegt.
